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Jahrzehnte lang obdachlos, heute Buchautor: Die bewegende Lebensgeschichte von Richard Brox

Gedanken, ertränkt in Alkohol

Am erschreckendsten an diesem Buch aber ist die Erkenntnis: Menschen starten mit sehr ungleichen Chancen ins Leben. Richard Brox wird in eine traumatisierte Familie hineingeboren: Der Vater, ein Nazigegner, und die Mutter, eine polnische Jüdin, sind beide KZ-Überlebende und werden nachts von Alpträumen heimgesucht. Ihre Erinnerungen ertränken sie im Alkohol.

Der kleine Richard versteht nicht, wieso sich seine Eltern nicht um ihn kümmern: "Ich floh vor meiner Sehnsucht nach ihrer Liebe, vor meiner Angst vor ihren Geschichten und ihren Schreien, vor meiner Wut auf ihre Geschichten, vor meiner Verwirrung über ihre Kälte und vor meiner Einsamkeit inmitten der brodelnden Gefühlswelt meiner Eltern."

Bloggen für Obdachlose

Immer wieder wird Brox als Kind für einige Zeit in Heime gesteckt – die Betreuer schlagen und demütigen ihn, einige belästigen ihn sexuell. Es ist eine düstere Lebensgeschichte. Und doch auch eine hoffnungsvolle.

Denn Brox hat viel erreicht: Er hat seine Drogensucht überwunden, einen eigenen Blog gestartet, in dem er anderen Obdachlosen Tipps für Notunterkünfte und Beratungsstellen gibt. Sein Traum: ein Hotel für Obdachlose zu gründen – einen Zufluchtsort, an dem sie mit Würde und Respekt behandelt werden, sowie für schwer Kranke Nichtsesshafte eine mobile hospizähnliche Sterbebegleitung zu leisten.

 

 

Wohnungslose und Obdachlose

Es wird zwischen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit unterschieden. Obdachlose haben weder Wohnsitz noch Unterkunft und müssen im öffentlichen Raum, in Parks oder Bahnhöfen übernachten. Wohnungslose haben zwar keinen eigenen Mietvertrag, übernachten aber regelmäßig in kommunalen Einrichtungen, Notunterkünften, Flüchtlingsheimen oder in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, kurz BAGW. Die Wohnungslosigkeit hat in Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen. Von 2014 bis 2016 stieg die Zahl der Wohnungslosen von 335.000 auf 860.000. Grund dafür sehen Experten in den steigenden Mieten und dem Mangel an Sozialwohnungen, die gerade von geflüchteten Personen gebraucht werden. Obdachlos sind Schätzungen zufolge derzeit 52.000 Menschen, 13.000 mehr als noch vor zwei Jahren.